Avocado - nachhaltige Herstellung von Bio-Kunststoff

Bei der Herstellung von Bioplastik befindet man sich oft in einer Zwickmühle, denn einerseits ist Bioplastik umweltfreundlich, andererseits leidet darunter unter Umständen die Nahrungsmittelproduktion. Scott Munguia, ein 23-jähriger Chemiestudent am Institut für Technologie und höhere Studien (ITESM) im mexikanischen Monterrey, legt größten Wert auf Ethik. Er sagt, so ein Produkt muss nachhaltig sein und ein Teil der Gewinne muss an die Gesellschaft zurückfließen. Sein Ziel ist es, die Verschwendung von Nahrungsmitteln zur Herstellung von Bioplastik zu beenden, so berichtet die Fachzeitschrift Technology Review.

 

Zu diesem Zweck hat er in Mexiko eine Firma mit dem Namen Biofase gegründet. In dieser Firma werden statt Mais – einem der Grundnahrungsmittel in Mexiko – Avocadokerne verwendet, um daraus Biopolymere zu erzeugen.

 

Der Rohstoff wächst in Mexiko praktisch vor der Haustür, denn das Land ist Weltmarktführer im Avocadoanbau. Man erntet mehrere Millionen Tonnen im Jahr. Die Frucht der Avocado ist die Hauptzutat der Landesspeise Guacamole – einem Dip, der in Mexiko überall serviert wird. Bei der Produktion von Guacamole fallen jedes Jahr etwa 4.700 Tonnen Avocadokerne an, für deren Entsorgung die Hersteller des Dips zahlen müssen. Biofase holt die Kerne kostenlos ab und diese landen nicht auf dem Müll sondern bei den mittlerweile 14 Mitarbeitern der Firma, die im Monat 50 Tonnen Harz aus den Kernen herstellen. Dieses Harz bildet den Grundstoff von Bioplastik und wird an Firmen geliefert, die daraus von der Plastiktüte bis zu kompletten Kunststoffteilen alles Mögliche produzieren.

 

Bis ins Jahr 2015 will man die Produktion verdreifachen. Munguia hat berechnet, dass die in Mexiko anfallenden Avocadokerne den kompletten Bedarf des Landes an Bioplastik ums Zehnfache abdecken. Natürlich kämpft man in der Anfangsphase darum, den Preis senken zu können, denn momentan ist die Produktion von Bioplastik doppelt so teuer wie die Herstellung von Plastik aus Erdöl. Aber Munguia ist sich sicher: “Wir glauben, den Preis an den der herkömmlichen Kunststoffe annähern zu können.” Er geht davon aus, dass dieses Ziel in den nächsten fünf Jahren erreicht sein wird. Er ergänzt: “Wir wissen auch, dass ein harter Weg vor uns liegt, denn in Mexiko sind die grünen Technologien noch nicht wirklich integriert.” In Zukunft will er seinen Bioplastik-Grundstoff auch in den USA verkaufen. Damit hofft er, schneller in einen Bereich zu kommen, in dem der Preis seines Harzes für den Markt konkurrenzfähig wird.

 

Quelle: heise.de